
Azure v7 VMs jetzt allgemein verfügbar
Thomas

Was bisher nur Preview-Kunden vorbehalten war, steht seit dem 28. Januar 2026 allen Azure-Nutzern zur Verfügung: Die neue Generation der Azure VMs auf Basis des AMD EPYC™ Turin Prozessors. Bereits im November hatten wir in unserem Artikel zur Dasv7-Preview einen technischen Einblick in die neue Architektur gegeben und angekündigt, dass wir die Serie nach dem GA-Release ausführlich testen werden. Dieses Versprechen lösen wir heute ein.
Für uns als IT-Dienstleister mit Fokus auf Remote-Arbeitsplätze ist diese Entwicklung besonders relevant: Die zugrundeliegende Hardware bestimmt maßgeblich, wie flüssig sich Windows-Anwendungen in der Cloud anfühlen. Und genau hier verspricht die neue Generation deutliche Verbesserungen.
Was sich mit der v7-Serie ändert
Die neue Generation umfasst drei Serien für unterschiedliche Anwendungsfälle: Die Dasv7-Serie für allgemeine Workloads, die Easv7-Serie für speicherintensive Anwendungen und die Fasv7-Serie für rechenintensive Aufgaben. Alle drei basieren auf dem AMD EPYC der 5. Generation (Codename "Turin") mit der neuen Zen 5 Architektur.
Wer mit der Nomenklatur von Azure VMs noch nicht vertraut ist: Das "D" steht für General Purpose (allgemeine Workloads), das "E" für Memory-optimized (speicheroptimiert) und das "F" für Compute-optimized (rechenoptimiert). Für die meisten Anwendungsfälle im Büroumfeld ist die D-Serie die richtige Wahl.
Microsoft verspricht in der offiziellen Ankündigung deutliche Performance-Steigerungen gegenüber den Vorgängern:
- Bis zu 35% mehr CPU-Leistung bei allgemeinen Workloads
- Bis zu 25% bei Java-Anwendungen
- Bis zu 65% bei In-Memory-Cache-Anwendungen
- Bis zu 80% bei Kryptografie-Operationen
- Bis zu 130% bei Webserver-Workloads
Neben der reinen CPU-Leistung hat Microsoft auch an anderen Stellen nachgebessert: Die maximale Skalierung steigt von 96 auf 160 vCPUs, die Netzwerkleistung verbessert sich um bis zu 75% gegenüber der v6-Generation. Außerdem unterstützt die v7-Serie AMD Infinity Guard mit transparenter Speicherverschlüsselung (TSME), was die Sicherheit auf Hardware-Ebene erhöht.
Diese Zahlen klingen beeindruckend, aber Marketing-Versprechen und Praxisrealität klaffen bei Cloud-Diensten manchmal auseinander. Deshalb haben wir uns entschieden, eigene Tests durchzuführen und die Ergebnisse transparent zu teilen.
Der für uns und unsere Kunden mit Remote-Arbeitsplätzen interessanteste Aspekt: Die Preise bleiben identisch zur v6-Serie. Wer also heute einen Cloud-PC auf Basis der v6-Serie betreibt, kann auf die v7-Serie wechseln und profitiert von der höheren Leistung ohne Mehrkosten. Mehr Performance zum gleichen Preis ist in der IT-Branche alles andere als selbstverständlich.
Die v7-Serie setzt zwingend NVMe-fähige Betriebssystem-Images voraus. Wer von älteren VM-Generationen migriert, muss sicherstellen, dass das verwendete Image NVMe unterstützt. Bei serverstart setzen wir bereits seit längerem auf NVMe-Images für alle Remote-Arbeitsplätze, sodass ein Wechsel auf die v7-Serie ohne Anpassungen möglich ist. Für Unternehmen, die ihre Azure-Infrastruktur selbst verwalten, kann dies ein wichtiger Punkt bei der Migrationsplanung sein.
Unser Benchmark: D4as v6 gegen D4as v7
Um die theoretischen Verbesserungen zu überprüfen, haben wir zwei identisch konfigurierte VMs erstellt: Eine D4as_v6 und eine D4as_v7, jeweils mit 4 vCPUs und 16 GB RAM. Diese Konfiguration entspricht einem typischen Arbeitsplatz für Anwender, die mit Branchensoftware, Office-Anwendungen und gelegentlich rechenintensiveren Aufgaben arbeiten. Beide Maschinen liefen mit Windows Server 2025 Datacenter: Azure Edition und wurden für die Tests identisch konfiguriert.
Um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten, haben wir während der Benchmarks Windows Defender auf beiden Systemen deaktiviert. Das ist wichtig zu erwähnen, weil der Echtzeit-Scan des Defenders bei Benchmark-Tools zu verfälschten Ergebnissen führen kann. Im produktiven Einsatz bleibt der Defender selbstverständlich aktiv.
Der Unterschied zeigt sich bereits im Task-Manager, noch bevor wir überhaupt einen Benchmark starten. Während die v6-Maschine den EPYC 9V74 mit einer Basisfrequenz von 2,60 GHz und einem Boost bis 3,69 GHz meldet, arbeitet die v7-Maschine mit dem EPYC 9V45, der dieselbe Basisfrequenz, aber einen deutlich höheren Boost von bis zu 4,53 GHz erreicht.

AMD EPYC 9V74: 3,69 GHz Boost-Takt

AMD EPYC 9V45: 4,52 GHz Boost-Takt
Warum ist das relevant? Viele geschäftskritische Anwendungen, insbesondere ältere Warenwirtschaftssysteme, ERP-Lösungen und Branchensoftware, wurden zu einer Zeit entwickelt, als Mehrkern-Prozessoren noch Zukunftsmusik waren. Diese Programme können oft nur einen CPU-Kern effektiv nutzen. Für solche Anwendungen ist ein schneller Einzelkern wichtiger als viele langsame Kerne. Die v7-Serie adressiert genau dieses Szenario.
CPU-Benchmark: 37% mehr Leistung pro Kern
Für einen aussagekräftigen Vergleich haben wir Geekbench 6 auf jeder Maschine dreimal ausgeführt. Geekbench ist ein branchenüblicher Benchmark, der sowohl Single-Core als auch Multi-Core Performance misst und dabei realitätsnahe Workloads simuliert: Bildverarbeitung, Textkompression, maschinelles Lernen und mehr.
Die Steigerung beträgt im Durchschnitt 37% bei Single-Core und 41% bei Multi-Core Performance. Microsoft verspricht in der offiziellen Dokumentation bis zu 35% mehr CPU-Leistung. Unsere Messungen bestätigen diese Angabe und übertreffen sie sogar leicht. Ob sich dieser Unterschied im Arbeitsalltag spürbar bemerkbar macht, hängt natürlich von der jeweiligen Anwendung ab. Aber die Richtung stimmt: Die v7-Serie ist messbar schneller.
Wer die Ergebnisse im Detail nachvollziehen möchte, findet alle Messungen in der öffentlichen Geekbench-Datenbank:
| Durchlauf | v6 Single-Core | v6 Multi-Core | v7 Single-Core | v7 Multi-Core |
|---|---|---|---|---|
| 1. Messung ↗ | 1.961 | 4.120 | 2.654 | 5.896 |
| 2. Messung ↗ | 1.957 | 4.382 | 2.698 | 6.116 |
| 3. Messung ↗ | 1.969 | 4.446 | 2.722 | 6.219 |
| Durchschnitt | 1.962 | 4.316 | 2.691 | 6.077 |
Für Anwender, die mit Branchensoftware, Warenwirtschaftssystemen oder anderen Windows-Anwendungen arbeiten, ist besonders der Single-Core-Wert relevant. Diese Programme sind oft nicht für parallele Verarbeitung optimiert und profitieren unmittelbar von der höheren Taktfrequenz und der verbesserten IPC (Instructions Per Clock) der Zen 5 Architektur.
Die Multi-Core-Steigerung von 41% kommt hingegen bei Aufgaben zum Tragen, die mehrere Kerne nutzen können: große Excel-Berechnungen, Kompilierungen, Bildbearbeitung oder wenn mehrere Anwendungen gleichzeitig laufen. In einer Umgebung, in der sich mehrere Benutzer einen Server teilen, wie es beim klassischen Terminal-Server der Fall ist, profitieren alle von der höheren Gesamtleistung.
Ein technisches Detail am Rande: Der EPYC der 5. Generation unterstützt erstmals AVX-512 mit vollem 512-Bit-Datenpfad. Diese Erweiterung beschleunigt Vektor- und Gleitkommaoperationen und macht sich bei spezialisierten Workloads wie wissenschaftlichen Simulationen oder Machine Learning bemerkbar. Für typische Büro-Anwendungen ist das weniger relevant, aber unter Dauerlast zeigt sich der Unterschied: Bei 100% Auslastung taktet der v7-Prozessor konstant bei etwa 4,3 GHz, während die v6-Generation bei rund 3,7 GHz bleibt.

Speicherleistung: Der unterschätzte Faktor
Bei Performance-Diskussionen steht oft die CPU im Mittelpunkt. Dabei wird die Speicherleistung häufig unterschätzt. Gerade bei Anwendungen, die viele Daten von der Festplatte lesen und schreiben, ist die Disk-Performance oft der eigentliche Flaschenhals. Ein schneller Prozessor nützt wenig, wenn er ständig auf Daten warten muss.
Microsoft hat bei der v7-Serie die Burst-IOPS für angeschlossene Datenträger deutlich angehoben und verspricht bis zu 20% höhere IOPS und 50% mehr Durchsatz bei Remote Storage. Bei unserer D4as-Konfiguration stiegen die Burst-IOPS von 20.000 (v6) auf 47.200 (v7). Das ist mehr als eine Verdopplung und übertrifft die Angaben von Microsoft deutlich.
Wir haben beide VMs mit einer Premium SSD v2 ausgestattet, die bis zu 50.000 IOPS und 1.200 MB/s ermöglicht. Die CrystalDiskMark-Ergebnisse zeigen den Unterschied eindrücklich:

v6: Random 4K Q32 bei etwa 20.500 IOPS

v7: Random 4K Q32 bei über 50.000 IOPS
Die Steigerung bei den zufälligen Lese- und Schreibzugriffen (RND4K Q32T1) von rund 20.500 auf über 50.000 IOPS entspricht einer Verbesserung von etwa 145%. Bei der v6-Serie war die VM selbst der Flaschenhals, nicht die SSD. Die v7-Serie hebt diese Beschränkung weitgehend auf.
Diese Werte sind besonders relevant für Datenbanken, Warenwirtschaftssysteme und andere Anwendungen, die viele kleine, zufällige Dateizugriffe durchführen. Wenn ein Sachbearbeiter einen Kunden aufruft, eine Rechnung öffnet oder einen Artikel sucht, löst das im Hintergrund dutzende kleine Datenbankabfragen aus. Je schneller diese bearbeitet werden, desto flüssiger fühlt sich die Anwendung an.
IOPS (Input/Output Operations Per Second) beschreiben, wie viele einzelne Lese- oder Schreibvorgänge ein Speichersystem pro Sekunde verarbeiten kann. Anders als der Durchsatz in MB/s, der für große Dateien relevant ist, bestimmen IOPS die Geschwindigkeit bei vielen kleinen Zugriffen. Gerade bei Datenbanken und ERP-Systemen, die ständig kleine Datenpakete lesen und schreiben, entscheidet dieser Wert über die gefühlte Geschwindigkeit der Anwendung.
Was bedeutet das für unsere Kunden?
Mit der allgemeinen Verfügbarkeit der v7-Serie können wir bestehende Remote-Arbeitsplätze auf die neue Generation migrieren. Der Wechsel erfolgt für unsere Kunden transparent: Die Anwendungen, Daten und Einstellungen bleiben erhalten, nur die zugrundeliegende Hardware wird leistungsfähiger. Das ist einer der großen Vorteile von Cloud-Infrastruktur gegenüber lokaler Hardware: Upgrades erfordern keinen Austausch von Servern und keine Downtime am Wochenende.
Für Unternehmen, die über den Einsatz von Cloud-PCs nachdenken, ist der Zeitpunkt günstig. Die v7-Serie bietet Enterprise-Hardware zu Konditionen, die auch für kleinere Unternehmen erschwinglich sind. Ein physischer Server mit vergleichbarer AMD EPYC Hardware würde eine erhebliche Investition bedeuten. Über das Modell des Remote-Arbeitsplatzes wird diese Leistung pro Benutzer und Monat abgerechnet, ohne dass Hardware angeschafft oder gewartet werden muss.
Die vollständige Dokumentation der neuen VM-Serien findet sich bei Microsoft: Dasv7-series, Dadsv7-series, Dalsv7-series, Daldsv7-series, Easv7-series, Eadsv7-series, Fasv7-series, Fadsv7-series, Falsv7-series, Faldsv7-series, Famsv7-series und Famdsv7-series.
Wer tiefer in die Prozessor-Architektur einsteigen möchte, findet im AMD White Paper zur 5. Generation EPYC ausführliche technische Details zur Zen 5 Architektur.
Der richtige Zeitpunkt für den Wechsel
Die v7-Serie ist aktuell in elf Azure-Regionen verfügbar, darunter auch Germany West Central. Die Kombination aus höherer CPU-Leistung, gesteigerter Speicherperformance und unveränderten Preisen macht die v7-Serie besonders attraktiv. Ob Warenwirtschaft, Branchensoftware oder klassische Office-Anwendungen: Die zusätzliche Leistung kommt direkt bei den Anwendern an. Die bis zu 35% mehr Single-Core-Leistung bedeuten kürzere Wartezeiten beim Öffnen von Programmen, schnellere Reaktionen bei Datenbankabfragen und ein insgesamt flüssigeres Arbeiten.
Wir bei serverstart verfolgen die Entwicklung der Azure-Infrastruktur kontinuierlich und evaluieren neue Technologien, bevor wir sie für unsere Kunden einsetzen. Die v7-Serie hat unsere Tests bestanden und wird ab sofort für neue Remote-Arbeitsplätze eingesetzt.
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