IT-Services, symbolisiert durch 3D-Glas
Alle Beiträge
Veröffentlicht am 
Deep Dive

JTL-Wawi 2.0 bringt .NET 8, neue REST-API und Cloud-Dienste

JTL hat mit Version 2.0 das größte Wawi-Update seit Jahren veröffentlicht. Unter der Haube stecken .NET 8, eine komplett überarbeitete REST-API und neue Cloud-Dienste. Die Performance ist spürbar besser, aber der Umstieg hat Stolperfallen: geänderte Datenbankstrukturen, neue API-Versionierung und Schnittstellen, die erst angepasst werden müssen. Was Händler jetzt wissen sollten.
Thomas

Thomas

JTL-Wawi 2.0 bringt .NET 8, neue REST-API und Cloud-Dienste

Seit dem 9. März 2026 steht JTL-Wawi 2.0 als Stable Release zum Download bereit. Es ist das erste echte Major-Update seit langer Zeit und betrifft die über 50.000 aktiven JTL-Nutzer im DACH-Raum. Viele fragen sich jetzt: Lohnt sich das Update? Was passiert mit meinen Schnittstellen? Und funktioniert das auf einem Terminal Server?

Wir haben uns das Update genau angeschaut und ordnen ein, was JTL-Wawi 2.0 für den Alltag im E-Commerce bedeutet, wo die echten Verbesserungen liegen und an welchen Stellen Vorsicht geboten ist.

Nicht ohne Backup und Testlauf updaten

JTL-Wawi 2.0 verändert die Datenbankstruktur so tiefgreifend, dass nach dem Update kein Zurück auf eine ältere Version möglich ist. Wer ohne vorheriges Backup und ohne Tests in einer separaten Umgebung upgradet, riskiert im schlimmsten Fall den laufenden Betrieb. Unsere klare Empfehlung: Erstellen Sie ein vollständiges Datenbank-Backup, spielen Sie das Update zuerst auf einer Testumgebung ein und prüfen Sie alle Schnittstellen und eigenen Abfragen, bevor Sie produktiv umsteigen.

Die Änderungen liegen unter der Haube

Wer die Wawi nach dem Update zum ersten Mal öffnet, wird sich erst einmal wundern: Es sieht praktisch genauso aus wie vorher. Auch JTL-Servicepartner bestätigen das in ihren ersten Erfahrungsberichten im JTL-Forum. Das hat einen einfachen Grund: Die modernisierte Benutzeroberfläche wurde bereits mit Version 1.8 als Beta eingeführt und ist seit Version 1.11 der Standard. Wer also bereits mit 1.10 oder 1.11 arbeitet, kennt die Oberfläche schon.

Die eigentlichen Neuerungen von Version 2.0 sind technischer Natur und spielen sich unter der Oberfläche ab: ein neues Framework, spürbar bessere Performance, eine grundlegend überarbeitete API und erste Cloud-Dienste. Im Alltag können sich diese Änderungen deutlich bemerkbar machen.

Mehr Performance durch .NET 8

Die wichtigste technische Änderung betrifft das Framework, auf dem die gesamte Wawi basiert. JTL hat den Client von .NET Framework 4.8 auf .NET 8.0 migriert. Das klingt zunächst nach einer internen Angelegenheit, hat aber sehr konkrete Auswirkungen auf den Arbeitsalltag.

Erste Tester berichten, dass die Wawi insgesamt deutlich flüssiger läuft: Artikelübersichten laden schneller, die Suche reagiert zügiger, die Belegvorschau öffnet sich ohne spürbare Verzögerung und der Start der Anwendung geht merklich schneller. Ein besonders erfreuliches Detail für alle, die die Wawi den ganzen Tag geöffnet haben: Die bekannten Speicherlecks im Verkaufsmodul, die bei längerem Arbeiten zu immer höherem RAM-Verbrauch geführt haben, scheinen behoben zu sein. Auch die Datenbankgröße kann sich nach der Migration leicht verringern. Ein Tester berichtet im JTL-Forum, dass seine Datenbank von 4,28 GB auf 4,16 GB schrumpfte.

Die .NET 8 Runtime wird automatisch mit dem Wawi-Client installiert, sodass Sie sich nicht gesondert darum kümmern müssen. JTL hat außerdem bereits angekündigt, als nächstes auf .NET 10 wechseln zu wollen. Das 2.0-Update legt also das technische Fundament für die kommenden Jahre.

Die neue API

Neben der Performance ist die überarbeitete API der Bereich, der bei vielen Händlern und Entwicklern die meisten Fragen aufwirft. JTL hat die REST-API grundlegend überarbeitet und führt zusätzlich eine GraphQL-API ein.

REST-API v2 mit neuer Versionierung

Die auffälligste Änderung: Die Versionierung funktioniert anders. Statt die API-Version im URL-Pfad anzugeben (z.B. /v1/items/), wird bei Version 2 ein HTTP-Header verwendet: api-version: 2. Wer weiterhin den Pfad /v2/ nutzt, erhält einen 400 UnsupportedApiVersion-Fehler. Die alten pfadbasierten v1-Endpunkte funktionieren zwar weiterhin, aber zahlreiche Legacy-Endpunkte für Authentifizierung, Kategorien, Kunden, Artikel und Rechnungen wurden entfernt oder als veraltet markiert. Die vollständige Liste der Änderungen stellt JTL im API Changelog bereit.

Ein neues Konzept in der v2-API ist die Möglichkeit, mehrere Änderungen in einem einzigen Aufruf zu bündeln. Statt beispielsweise Versandklasse, eigene Felder und Lieferanten eines Artikels in drei separaten PATCH-Requests zu aktualisieren, soll der neue Endpunkt /itemdetails/change das in einem Schritt ermöglichen.

Vorsicht bei v2-Schreiboperationen

Zum Zeitpunkt des Releases berichten Nutzer im JTL-Forum, dass Leseoperationen (GET) über die v2-Endpunkte zuverlässig funktionieren, Schreiboperationen (PATCH) aber teilweise noch keine Wirkung zeigen, obwohl sie mit HTTP 200 quittiert werden. Wer produktive Integrationen auf der v2-API aufbauen möchte, sollte alle Endpunkte gründlich testen. Die Swagger-Dokumentation ist auf dem OnPrem-Server aktuell noch nicht zuverlässig erreichbar.

GraphQL als zusätzliche Option

Neu ist außerdem eine GraphQL-API, die effizientere und flexiblere Datenabfragen ermöglicht. Während bei einer REST-API immer ein vollständiger Datensatz zurückkommt, kann man mit GraphQL gezielt nur die Felder abfragen, die man tatsächlich benötigt. Das reduziert die übertragene Datenmenge und kann insbesondere bei mobilen Anbindungen oder bei der Integration großer Artikelbestände die Performance deutlich verbessern. Sowohl für die REST- als auch für die GraphQL-API stehen eine OnPrem-Variante (auf dem eigenen Server) und eine Cloud-Variante zur Verfügung.

Was das für Drittanbieter-Tools bedeutet

JTL verfolgt mit der API eine klare Strategie: Die Warenwirtschaft soll als Schaltzentrale funktionieren, an die externe Systeme sauber andocken können, ohne direkt in die Datenbank eingreifen zu müssen. Langfristig ist das ein großer Vorteil, weil API-Endpunkte bei Datenbankänderungen stabil bleiben können. Kurzfristig bedeutet es aber, dass Anbieter von Drittanbieter-Tools ihre Integrationen auf die neuen Endpunkte anpassen müssen. Je nachdem, wie schnell das passiert, kann es einige Wochen dauern, bis alle gewohnten Schnittstellen wieder reibungslos funktionieren.

Cloud-Dienste: JTL-Shipping und JTL-Archive

JTL-Wawi 2.0 bleibt eine lokal installierte Windows-Anwendung. Aber mit dieser Version baut JTL erstmals Cloud-Dienste direkt in die Warenwirtschaft ein. Ein neuer Verbindungsassistent erleichtert die Anbindung, und zwei neue Dienste starten im Beta-Status:

JTL-Shipping ist eine Cloud-basierte Versandplattform mit Unterstützung für mehrere Paketdienstleister, automatisierter Versandlogik und Adressvalidierung. Kunden können per SMS und E-Mail proaktiv über den Sendungsstatus informiert werden.

JTL-Archive ermöglicht die automatische, GoBD-konforme und revisionssichere Archivierung geschäftsrelevanter Dokumente. Gerade für Unternehmen, die bisher Belege manuell oder mit Drittanbieter-Tools archiviert haben, kann das eine echte Erleichterung sein.

JTL selbst beschreibt diese Neuerungen als erste Schritte in die Cloud. Es geht also nicht darum, die komplette Warenwirtschaft in die Cloud zu verlagern, sondern lokale Prozesse gezielt durch Cloud-Dienste zu ergänzen. Das passt zu einem Trend, den auch der Bitkom bestätigt: Laut Cloud Report 2025 nutzen mittlerweile 90 % der deutschen Unternehmen mit über 20 Mitarbeitern Cloud-Lösungen, aber viele wollen dabei die Kontrolle über ihre Kerndaten behalten.

Versand, Lager und Installer

Für Händler mit eigenem Lager oder WMS-Nutzung bringt Version 2.0 einige Erweiterungen: ein Speditionsmodul (Enterprise-Edition), einen optimierten Versandtisch (Professional-Edition), regelbasierte Versandstraßen und eine Paketinhalt-Übersicht, mit der sich exakt nachverfolgen lässt, welcher Artikel in welchem Paket liegt.

Außerdem wird der bisherige EXE-Installer durch einen MSI-Installer ersetzt. Das ist vor allem für Unternehmen relevant, die JTL-Wawi auf mehreren Arbeitsplätzen oder auf einem Terminal Server betreiben. MSI-Pakete lassen sich deutlich einfacher per Gruppenrichtlinie oder Softwareverteilung ausrollen. Der neue Setup-Assistent bietet drei Installationsrollen: Standalone (Anwendung und Datenbank auf einem Rechner), Server (Haupt-Client mit SQL Server) und Client (zusätzliche Arbeitsplätze).

Worauf Sie beim Update achten sollten

Datenbank-Backup ist Pflicht

Wie bei jeder JTL-Wawi-Version gilt: Nach einem Update wird die Datenbank automatisch auf die neue Version konvertiert. Ab diesem Punkt lässt sich die Datenbank nicht mehr mit einer älteren Wawi-Version öffnen. Ein Zurück ist dann nur möglich, indem Sie ein vorheriges Datenbank-Backup einspielen, wobei alle zwischenzeitlich entstandenen Daten verloren gehen. Das war bei JTL-Wawi schon immer so und ist keine Besonderheit von Version 2.0. Trotzdem wird es bei diesem Update besonders relevant, weil sich in der Datenbankstruktur einiges getan hat.

Eigene SQL-Abfragen prüfen

Die Datenbankstruktur wurde an zahlreichen Stellen angepasst. Nicht alle Tabellen sind komplett neu, aber es gibt substanzielle Änderungen an Spalten und Strukturen. JTL stellt mit wawi-db.jtl-software.de ein Tool bereit, mit dem Sie die konkreten Änderungen zwischen zwei Versionen einsehen können. Wer eigene SQL-Übersichten, benutzerdefinierte Abfragen oder Eigene Übersichten in der Wawi erstellt hat, muss diese nach dem Update prüfen und gegebenenfalls anpassen. Ein JTL-Servicepartner warnt im Forum ausdrücklich: Alle externen Tools und Dienste, die direkt auf der Datenbank arbeiten, laufen Gefahr, nach dem Update nicht mehr korrekt zu funktionieren.

Schnittstellen-Freigaben abwarten

Das betrifft insbesondere EDI-Schnittstellen, DATEV-Anbindungen und andere Integrationen. Erfahrungsgemäß dauert es einige Wochen, bis alle Anbieter ihre Software auf die neue Version angepasst haben. Servicepartner rechnen bei EDI-Schnittstellen zum Beispiel nicht vor April 2026 mit einer vollständigen Freigabe.

Testumgebung nutzen

JTL-Wawi 2.0 bietet die Möglichkeit, das Update zunächst als Simulation auf einer Kopie der Datenbank durchzuführen. Nutzen Sie das. Wer mit einem Servicepartner zusammenarbeitet, sollte den Umstieg gemeinsam planen. Die einhellige Empfehlung aus der JTL-Community lautet: Sorgfalt vor Geschwindigkeit.

JTL-Wawi auf dem Terminal Server

Für viele E-Commerce-Unternehmen gehört JTL-Wawi zu den Anwendungen, die mehrere Mitarbeiter gleichzeitig nutzen. In solchen Umgebungen laufen Warenwirtschaft und SQL-Datenbank typischerweise auf einem zentralen Windows Server, auf den sich die Mitarbeiter per Remote Desktop verbinden. Dieses Setup funktioniert auch mit JTL-Wawi 2.0 weiterhin, und der neue MSI-Installer macht das Deployment sogar einfacher als bisher.

Allerdings sollten Terminal Server Nutzer einen Punkt kennen: Bereits seit der Umstellung auf die neue C#-basierte Oberfläche berichten Cloud-Hosting-Kunden von einem bekannten Problem, bei dem das Dashboard im RDP-Modus nach einiger Zeit nicht mehr lädt und die Wawi neu gestartet werden muss. Dieses Problem besteht auch in Version 2.0 weiterhin.

JTL-Wawi in der Cloud betreiben?

Wer JTL-Wawi zentral betreiben möchte, aber keinen eigenen Server anschaffen und warten will, findet im Remote-Arbeitsplatz von serverstart eine interessante Alternative. Die Anwendung läuft in einem Microsoft-Rechenzentrum in Deutschland, Mitarbeiter greifen per Remote Desktop darauf zu. Inklusive täglicher Backups, flexibler Skalierung und einem festen Ansprechpartner, der Ihr Unternehmen kennt.

Termin vereinbaren

Remote-Arbeitsplatz als Alternative

Das Prinzip eines Cloud-PCs ist ähnlich wie beim klassischen Terminal Server: Die Anwendung läuft zentral, Mitarbeiter greifen per Remote Desktop darauf zu. Nur steht der Server nicht im eigenen Büro, sondern in einem Microsoft-Rechenzentrum in Deutschland.

Gerade für wachsende E-Commerce-Unternehmen hat das einige Vorteile. Neue Mitarbeiter bekommen ihren Arbeitsplatz schnell eingerichtet, die Leistung lässt sich flexibel anpassen und Updates werden zentral eingespielt, ohne dass jemand vor Ort sein muss. Die täglichen Backups, die bei einem JTL-Update ohnehin unverzichtbar sind, laufen automatisch. Und wenn das Unternehmen wächst oder saisonbedingt mehr Kapazität braucht, lässt sich das ohne neue Hardware abbilden.

Für JTL-Wawi kommt noch ein technischer Aspekt hinzu: Weil die Anwendung und die SQL-Datenbank auf demselben System oder zumindest im selben Netzwerk laufen, profitiert man von sehr kurzen Latenzzeiten. Zusammen mit den Performance-Verbesserungen von Version 2.0 kann das die tägliche Arbeit spürbar beschleunigen.

Systemvoraussetzungen

Die Anforderungen für JTL-Wawi 2.0 sind weitgehend identisch mit den Vorgängerversionen. Der Client benötigt Windows 10 oder neuer, empfohlen wird Windows 11 (unter anderem wegen TLS 1.3 Unterstützung). Die .NET 8.0 Runtime wird automatisch mit installiert. Auf der Server-Seite wird Microsoft SQL Server 2016 oder höher benötigt, SQL Server 2022 wird offiziell unterstützt. Windows Server 2025 und SQL Server 2025 sind noch nicht offiziell freigegeben, funktionieren nach Community-Berichten aber bereits. Besonders interessant: SQL Server 2025 Express hebt das Datenbank-Größenlimit von bisher 10 GB auf 50 GB an.

Azure SQL wird nicht unterstützt

JTL-Wawi 2.0 unterstützt weder Azure SQL noch Shared SQL Server Instanzen. Wer JTL-Wawi in der Cloud betreiben möchte, benötigt eine vollständige SQL Server Installation auf einem Windows Server, wie es beispielsweise bei einem Remote-Arbeitsplatz der Fall ist.

Gut vorbereitet umsteigen

JTL-Wawi 2.0 ist ein solides Update mit echten Verbesserungen, vor allem bei der Performance und beim technischen Fundament. Die neuen Cloud-Dienste zeigen, wohin die Reise geht, die überarbeitete API schafft eine sauberere Grundlage für Integrationen und der neue Installer erleichtert die Verwaltung in größeren Umgebungen. Gleichzeitig ist es ein Update, das Vorbereitung braucht. Wer viele Schnittstellen, eigene Abfragen oder Drittanbieter-Tools im Einsatz hat, sollte sich die Zeit nehmen und alles in einer Testumgebung durchspielen.

Wir bei serverstart begleiten Unternehmen in der Region Aachen und darüber hinaus bei genau solchen Entscheidungen. Ob es um die Einrichtung eines Remote-Arbeitsplatzes für Ihre JTL-Umgebung geht, um die Migration Ihrer Server in die Cloud oder um eine ehrliche Einschätzung, ob und wann ein Update auf JTL-Wawi 2.0 für Sie sinnvoll ist: Sprechen Sie uns an.